Palästina – persönliche Eindrücke einer besonderen Reise

Katze sonnt sich vor Al-Aqsa-Moschee

Februar 2024. Mein erster Flug. Meine erste Reise außerhalb Europas. Und überhaupt erst mein zweites Mal außerhalb Deutschlands.

Ich konnte mir kaum vorstellen, dass diese Reise gut wird. Zu viele Zweifel, zu viele Unsicherheiten – und ein Reiseziel, das für viele allein durch seinen Namen Fragen aufwirft. Palästina.

Wir sind ohne große Erwartungen losgeflogen. Doch was ich fand, war viel mehr, als ich je zu hoffen gewagt hätte: Menschen, Geschichten, Gegensätze – und ein Land, das mir auf stille Weise ein Stück meines Herzens gestohlen hat.

In diesem Beitrag geht es nicht um politische Analysen oder Bewertungen. Es geht um meine ganz persönliche Reise. Eindrücke, Begegnungen, Gerüche, Farben, Gefühle. Ich lade Dich ein, mich ein Stück weit zu begleiten – auf eine Reise, die mich mehr berührt hat, als ich vorher ahnte.

Manchmal findet das Herz sein Zuhause an einem Ort, an dem es nie gesucht hat.

Vor der Reise – Zweifel, Ängste, Fragen

Ich war unsicher. Ein Flug? Wirklich ich? In ein Land, das seit meiner Kindheit fast ausschließlich mit bedrückenden Schlagzeilen in den Nachrichten präsent ist – meist geprägt von Konflikten, Sorgen und Spannungen.

Mein Umfeld reagierte unterschiedlich: die einen mit Staunen, die anderen mit vorsichtiger Skepsis. „Hoffentlich passiert da nichts“, sagten einige. Und ich? Ich sagte nicht viel. Vielleicht weil ich selbst nicht wusste, was ich eigentlich suchte.

Ich wollte einfach weg. An einen Ort, der nicht vertraut war. Wo ich nicht nur mechanisch meinen Alltag lebte. Wo ich vielleicht ein Stück von mir selbst wiederentdecken konnte.

Trotzdem: der Gedanke, in ein Flugzeug zu steigen, war sehr beängstigend. Ich hatte keine Ahnung, wie es sich anfühlen würde abzuheben, über andere Länder zu fliegen, irgendwo zu landen, wo alles anders ist – die Sprache, das Licht, die Energie. Und ich ahnte nicht, wie sehr genau das mein Herz öffnen würde.

Die ersten Stunden – und ein Gefühl von Staunen

Der Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv-Jaffa war mein erster Eindruck. Modern, sicher, streng – und dennoch geprägt von offenen Gesichtern, vielfältigen Kulturen, verschiedenster Kleidung und einem bunten Sprachgewirr.

Als ich das erste Mal tief durchatmete und die milde Februar-Luft spürte, war da dieses überraschende Gefühl: ich bin wirklich hier.

Das erste Gewusel, der Lärm, die Palmen am Straßenrand – ich konnte kaum glauben, dass ich das alles mit eigenen Augen sah. Es war fremd. Und wunderschön. Und ich war plötzlich ganz wach – in mir drin.

Die Fahrt nach Jerusalem – ein Kulturschock?

Vom Flughafen ging es gleich mit dem Bus weiter nach Jerusalem. Eine Busfahrt ist für mich eigentlich nichts Ungewöhnliches – sollte man meinen. Aber ich war aufgeregt, müde, überfordert. Und dann diese Fahrt…

Noch nie zuvor hatte ich während einer Busfahrt Angst. Doch hier raste der Fahrer mit einer Geschwindigkeit durch die Gegend, die mir beinahe den Atem raubte. Die Straßen waren voll, das Tempo hoch, der Abstand zum Vordermann gefühlt minimal. Ich klammerte mich an den Vordersitz, während draußen ein völlig neues Bild an mir vorbeizog.

Was mir als Erstes auffiel? Überall flatterten Flaggen. An Laternen, auf Balkonen, an Häusern. Dazu die vielen zerkratzten, verbeulten Fahrzeuge – als wäre es völlig normal, dass man hier nicht ganz heil durch den Verkehr kommt. Und dann diese vielen Wassertanks auf den Dächern – für mich völlig ungewohnt und fast surreal.

Erste Schritte in Jerusalem – fremd und wunderschön

Wir kamen im Hotel an – ich war sofort hin und weg. Es war ein wunderschöner Ort, ruhig und stilvoll. Für einen Moment fühlte ich mich fast wie in einer anderen Welt, sicher und geborgen – ein kleines Paradies mitten in einer Stadt voller Gegensätze.

Später machten wir uns auf den Weg zur Al-Aqsa-Moschee. Schon der Weg dorthin war ein Erlebnis für sich. Enge Gassen, hohe Mauern, der Klang fremder Sprachen, der Duft von Gewürzen und gebratenem Fleisch in der Luft. Ich war überwältigt und verzaubert.

Bei unserer Ankunft war ich tief beeindruckt von der Größe, der Ehrfurcht und der stillen Würde, die dieser Ort ausstrahlte. An diesem Tag durfte ich das Gelände nicht betreten – meine Kleidung entsprach nicht den Vorschriften. Doch obwohl mich dies kurz enttäuschte, erkannte ich darin einen wertvollen Moment: Respekt, Demut, und die Chance, etwas zu lernen.

Stattdessen ließ ich mich durch die kleinen Gassen treiben, beobachtete Menschen, hörte dem Stimmengewirr zu, spürte das Leben. Diese Stadt – sie war nicht nur schön. Sie war tief. Und ich fühlte mich auf eine seltsame Weise sofort mit ihr verbunden.

Al-Aqsa – ein Ort, der selbst Tiere ehrfürchtig macht

Am nächsten Tag zog es uns natürlich zurück zur Al-Aqsa-Moschee. Dieses Mal durfte ich auf das Gelände, verzichtete aber bewusst darauf das Innere der Moschee zu betreten. Ich setzte mich stattdessen in die Sonne, beobachtete das Treiben und spürte eine Atmosphäre, die ich kaum in Worte fassen kann.

Es war, als würde die Zeit für diesen Moment stillstehen. Selbst die Tiere bewegten sich hier mit einer merkwürdigen Achtsamkeit, fast ehrfürchtig. Dieser Ort – er hat eine Ausstrahlung, die weit über das Sichtbare hinausgeht. Magisch. Friedlich. Voller Geschichte.

Unter dem Meeresspiegel – Jericho, Wüste und Maqluba

Der dritte Tag, auf dem Weg nach Jericho, machten wir einen kurzen Halt an einer Stelle mit Aussicht auf das Tote Meer – aus der Ferne lag es still und leuchtend vor uns.

Exakt auf Meereshöhe legten wir eine weitere Pause ein, als plötzlich ein Beduine mit seinem Kamel zu uns stieß – ganz selbstverständlich, als wäre es das Normalste der Welt. Hier wirkt es beinahe so, als wären Kamele genauso alltäglich wie bei uns Hunde.

In Jericho lauschten wir gespannt der Erzählung vom Berg der Versuchung, genossen frisch gepresste Säfte und führten anregende Gespräche mit den warmherzigen und aufgeschlossenen Einheimischen. Anschließend führte die Reise nach Nabi Musa, einem historischen muslimischen Pilgerort inmitten der Judäischen Wüste. Die Umgebung beeindruckte mit ihrer kargen Weite und einer stillen, faszinierenden Schönheit.

Am Abend durften wir an einem traditionellen Festmahl teilnehmen. Begleitet von mitreißender Musik und einer beeindruckenden Show wurde uns Maqluba serviert – ein köstliches Reisgericht, das kopfüber angerichtet wird. Dieses Gericht berührte mich nicht nur kulinarisch, sondern auch auf menschlicher Ebene zutiefst. Die Herzlichkeit und Wärme dieser Menschen werde ich für immer in Erinnerung behalten.

Von der Grabeskirche bis Hebron – zwischen Glaube und Grenzen

Am vierten Tag besuchten wir die Grabeskirche – einen Ort, der zugleich mystisch und atemberaubend schön war. Goldene Verzierungen, der Duft von Weihrauch und flüsternde Stimmen erfüllten die Luft. Es schien, als würde jeder Stein ein Geheimnis aus vergangenen Zeiten bewahren.

Ich musste diesen besonderen Moment einfach festhalten. Das Video gibt einen kurzen Einblick in die Atmosphäre der Grabeskirche – begleitet von einem Lied, das bei mir für Gänsehaut sorgt. Vielleicht kannst Du beim Anschauen ein wenig von dem nachempfinden, was ich in diesem Augenblick gefühlt habe…

Anschließend führte uns unsere Reise nach Hebron, wo uns die deutliche Teilung der Stadt in zwei Bereiche vor Augen geführt wurde: H1 unter palästinensischer Verwaltung und H2 unter israelischer Kontrolle. Die sichtbaren Kontraste und die allgegenwärtige Präsenz zahlreicher bewaffneter israelischer Soldaten hinterließen einen tiefen Eindruck – eine beklemmende und zugleich faszinierende Erfahrung.

Wir hatten außerdem die Gelegenheit, die beeindruckende Abraham-Moschee zu besuchen. Einen historisch und spirituell bedeutsamen Ort, der von tiefem Respekt und Ehrfurcht geprägt ist. Dieser zentrale Schauplatz ist von großer religiöser und kultureller Bedeutung für Muslime, Juden und Christen gleichermaßen.

Am Abend besuchten wir eine Einrichtung, die sich liebevoll um verwaiste Kinder und deren Angehörige kümmert. Diese Menschen stehen oft vor enormen wirtschaftlichen Herausforderungen, ausgelöst durch den Verlust ihrer Familienmitglieder und die Aufnahme der Kinder. Dort wurde uns erneut klar, wie essenziell Hilfe und Unterstützung im Alltag sind. Ein Ort voller Hoffnung, der mit begrenzten Mitteln unendlich viel Liebe schenkt.

Vertraute Gassen – ein leiser Abschied

Der letzte Tag gehörte ganz uns. Kein festgelegtes Programm, kein strikter Zeitplan – einfach ziellos durch die mittlerweile so vertrauten Gassen schlendern. Jerusalem hatte sich still und leise in mein Herz geschlichen. Was anfangs fremd und überwältigend wirkte, fühlte sich jetzt vertraut an, fast wie ein zweites Zuhause.

Ich ging langsam, ließ jeden Moment auf mich wirken – die Düfte, die Klänge, das Gefühl. Mit unendlicher Dankbarkeit blicke ich auf diese wundervolle Erfahrung zurück und hoffe inständig, dass es kein Abschied für immer ist.

Manche Orte sprechen nicht laut und doch berühren sie die Seele, als hätten sie ein uraltes Versprechen für dich bewahrt.
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